…schriftlich…

Juli 27, 2007

Kontinuität und Chaos

Gespeichert unter: Schreibtisch — schriftlich @ 7:48

Als ich sechzehn und siebzehn Jahre alt war, habe ich mit der Begeisterung eines nicht planen müssenden Geistes zwei Manuskripte verfaßt, von denen das erste großes Lob, aber auch große Kritik von ein- und derselben Stelle erfahren hat, weswegen ich das zweite mit der gleichen Begeisterung, aber weit größeren Schwierigkeiten begann.

Diese beiden Arbeiten sind die ersten Gehversuche einer literarischen Karriere, die für mich damals – einfach das Größte war, das ich zu haben mir vorstellen konnte. Längere Texte habe ich seither niemals wieder geschrieben, habe mich lange Zeit an Lyrik versucht und bin an Kurzgeschichten gescheitert. Bisweilen war mir meine immer umfangreicher werdende Ideensammlung mehr als genug, aber heute, also genau jetzt, ist das anders.

Daß ich so lange nicht richtig schreiben konnte und es immer noch nicht kann, hat mit einer Krankheit zu tun, die Konzentrationsschwächen beinhaltet, gegen die man aber angehen kann. Im Laufe der Jahre habe ich vielen Menschen geklagt und viele Tips bekommen, wie man denn Schreibblockaden jeder Coleur überwinden könnte, der wichtigste davon ist, habe ich erfahren, Kontinuität.

Regelmäßig schreiben ist gar nicht so einfach in einem Umfeld, in dem das Chaos regiert, und zwar mit einer Kontinuität, die zwar sicherlich auch eine ist – aber eher kontraproduktiv. Sich erst ein passendes Umfeld zu schaffen und dann anzufangen zu arbeiten funktioniert in einem kleineren Rahmen durchaus, aber wenn es darum geht, einen vollständigen Lebens- und Arbeitsrhythmus umzustellen, wird man sich doch immer wieder an einem Schreibtisch wiederfinden, der mit Papieren, Dosen, Büchern, Krimskrams so übersät ist, daß man sich permanent ablenken läßt.

Mein zweites Manuskript war nicht sonderlich originell. Ich habe mich an Wolfgang Hohlbeins damals populäre Struktur seiner phantastischen Romane gehalten, die in zu vielen Werken wieder und wieder verwendet wurde, bis er sich kreativ neu erfand. Anhand dessen aber habe ich eine Geschichte planen gelernt, und genau das möchte ich mit Hilfe dieses Blogs auf die Schriftstellerei als solche übersetzen.

Juli 26, 2007

Die lustige Welt der Vampire

Gespeichert unter: Notizbuch — schriftlich @ 8:20

Seit einigen Tagen spukt mir einer meiner noch gar nicht so alten Charaktere ständig im Kopf herum. Bislang habe ich mich immer gescheut, etwas über ihn schreiben zu wollen, denn er basiert auf einem geschützten Rollenspielsystem, und ich tu mich mit dem Copyright da schwer. Allerdings hat Mr. R lange Stunden damit verbracht mir den ersten, den allerersten Satz einzuflüstern, hat mich gerügt und gelobt, bis ich ihn endlich auf Papier hatte.

Zeitgleich hat ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben angefangen, ein Video über ihn zu machen. Dieses Video ist eine sehr charmante Draufsicht auf die Figur und mitunter ein bißchen humorig und selbst-humorig. Mr. R ist natürlich auch noch ganz anders, aber er ist auch -so-.

Und da ist mir klar geworden, daß, daß. Daß ich seine Geschichte trotzdem schreiben kann, und es tun sollte, es ist eine höchst literarisch-cineastische Geschichte. Als mein jüngstes Projekt erhält es trotzdem den älteren gegenüber den Vorzug, weil es mich gerade so sehr gefangen hat. 

Credits gibts natürlich auch. Von Herzen Dank für das Video an: apocalypsed
Und natürlich auch an Elijah Wood, den ich mir ein bißchen ausgeliehen habe, um mir meinen Protagonisten vorzustellen, ohne beide gefragt zu haben.

Am Anfang…

Gespeichert unter: Flaschenpost — schriftlich @ 8:04

… war das Wort, und das Wort war ziemlich penetrant. Es ging mir bald auf die Nerven, zeterte und nörgelte den ganzen Tag und rebellierte chronisch gegen jeden Versuch, es ihm irgendwie recht zu machen.

Das Wort war: „kompromißlos“. Obwohl es natürlich nur ein Wort war. Es sagte: „Du weißt nicht, was ein Wort wirklich braucht.“, packte beleidigt seine Flaschenpost und zog davon.

Dann saß ich eine ganze Zeit lang wortlos da, wußte nicht, was ich sagen sollte und beschloß heimlich, weil ich mich in das Wort verliebt hatte, es zurück zu gewinnen. Daher dachte ich darüber nach, was ein Wort denn brauchen könnte. Mir fiel dann auf, daß das Wort Recht hatte: ich wußte wirklich nicht, was es braucht. Nun kam mir allein eine Möglichkeit in den Sinn, das Wort ausfindig zu machen, ich wußte ja nicht, wohin es sich verschickt hatte. Ich dachte mir einen Ort aus. Einen besonderen Ort. Einen Ort, der Northerney heißt.

An diesem Ort steht ein kleiner, schneeweißer Leuchtturm. Es ist dort meistens diesig, und das Meer ist grau, und wenn man den Strand entlang kommt, muß man die Zeit draußen lassen. Es steht zwar kein Schild dort wie: Zeiten müssen draußen bleiben, aber Northerney ist da schon ziemlich eigenwillig. Das muß auch so sein. Denn auf Northerney stranden alle Flaschenposten. Alle. Alle, die den Empfänger nie erreichen, den sie eigentlich hätten haben sollen.

Was soll ich sagen? Dies ist eine kleine Geschichte darüber, nicht schreiben zu können. Mein Wort in seiner Flaschenpost habe ich nicht gefunden, allmählich habe ich den Verdacht, daß es sich an mich verschickt hat – und deswegen auf Northerney gar nicht bei mir ankommen kann. Das rührt mich ein bißchen, denn ich bin in das Wort ja verliebt. Vielleicht heißt das Wort auch: „Dilemma“. Ich betrüge mein Wort ein wenig mit anderen Worten, aber ich mein es nicht böse.

Ich will ja lernen, was ein Wort wirklich braucht.

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