…schriftlich…

Juli 26, 2007

Am Anfang…

Gespeichert unter: Flaschenpost — schriftlich @ 8:04

… war das Wort, und das Wort war ziemlich penetrant. Es ging mir bald auf die Nerven, zeterte und nörgelte den ganzen Tag und rebellierte chronisch gegen jeden Versuch, es ihm irgendwie recht zu machen.

Das Wort war: „kompromißlos“. Obwohl es natürlich nur ein Wort war. Es sagte: „Du weißt nicht, was ein Wort wirklich braucht.“, packte beleidigt seine Flaschenpost und zog davon.

Dann saß ich eine ganze Zeit lang wortlos da, wußte nicht, was ich sagen sollte und beschloß heimlich, weil ich mich in das Wort verliebt hatte, es zurück zu gewinnen. Daher dachte ich darüber nach, was ein Wort denn brauchen könnte. Mir fiel dann auf, daß das Wort Recht hatte: ich wußte wirklich nicht, was es braucht. Nun kam mir allein eine Möglichkeit in den Sinn, das Wort ausfindig zu machen, ich wußte ja nicht, wohin es sich verschickt hatte. Ich dachte mir einen Ort aus. Einen besonderen Ort. Einen Ort, der Northerney heißt.

An diesem Ort steht ein kleiner, schneeweißer Leuchtturm. Es ist dort meistens diesig, und das Meer ist grau, und wenn man den Strand entlang kommt, muß man die Zeit draußen lassen. Es steht zwar kein Schild dort wie: Zeiten müssen draußen bleiben, aber Northerney ist da schon ziemlich eigenwillig. Das muß auch so sein. Denn auf Northerney stranden alle Flaschenposten. Alle. Alle, die den Empfänger nie erreichen, den sie eigentlich hätten haben sollen.

Was soll ich sagen? Dies ist eine kleine Geschichte darüber, nicht schreiben zu können. Mein Wort in seiner Flaschenpost habe ich nicht gefunden, allmählich habe ich den Verdacht, daß es sich an mich verschickt hat – und deswegen auf Northerney gar nicht bei mir ankommen kann. Das rührt mich ein bißchen, denn ich bin in das Wort ja verliebt. Vielleicht heißt das Wort auch: „Dilemma“. Ich betrüge mein Wort ein wenig mit anderen Worten, aber ich mein es nicht böse.

Ich will ja lernen, was ein Wort wirklich braucht.

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