…schriftlich…

Juli 31, 2007

Arbeitsplatz und virtueller Arbeitsplatz

Gespeichert unter: Schreibtisch — schriftlich @ 4:10

Das ist mein Arbeitsplatz: ein großer, billig furnierter Computer-Schreibtisch in braun und schwarz. Er hat ein faustgroßes Loch irgendwo in der Mitte der Tischplatte, weil mein Vater früher einmal mehr Kabel hat versenken wollen als gut für uns alle ist. Wir finden immer noch welche wieder.

Rechts auf dem Schreibtisch steht ein eher kleiner, aber immerhin flacher Monitor in Silberoptik. Das Loch habe ich mit einer überdimensionalen Schreibtischunterlage (Leder, schwarz) zugedeckt, und darüber hinaus die nicht verstaubten Stellen.

Daß es staubig ist, sagt eine Menge: über viel Papier mit Notizen, Gekritzel, Moleskines, Bücher verschiedenster Ausrichtungen, die Häufigkeit meiner Anwesenheit. Über Ideen-Bauklötze. Ich mag es ein bißchen staubig.  Ein Globus (Halbedelsteine, Einlegearbeit) ist meine Augenfreude.

In meinem Kopf habe ich aber noch einen anderen Arbeitsplatz, so einen ganz klassischen. Einen gewaltigen Schreibtisch (Massivholz), so dunkel, daß man sich allein deswegen schon fast darauf spiegelt, getäfelte Wände, eine kleine Privatbibliothek, Grün vorm Fenster, oder ab und an, wenn mir danach ist, Meerblick. Dicke, vielleicht orientalische Teppiche. Es ist ein sehr klassisches Design, in dem man ohne Computer arbeiten sollte, weil man es sonst nicht wirklich genießt. Im Winter möchte ich einen kleinen Kanonenofen, der es bullig warm macht. Es gibt dort keinen Fernseher, aber ein Grammophon. Fürs Radio muß man in die Küche gehen.

Das ist natürlich auch ein virtueller Arbeitsplatz, vielleicht sogar viel eher als jedes Betriebssystem, das auf dem Markt ist.

Ganz ehrlich, ohne Computer könnte ich nicht schreiben. Manchmal ist es Syntax-Drechselei, was ich betreibe. Trotzdem bin ich Freund von erstklassigem Papier, gut in der Hand liegenden Stiften, intellektuell-bürgerlichem Ambiente, dazu ein passend Maß an schriftstellerischer Verschrobenheit.

Verbessern würde ich vor allem eins, wenn mir einfällt, wie das zu realisieren ist. Ich würde das kreative Schreiben strikt von allen anderen Belangen des täglichen Lebens trennen. So wie es einfach gut ist, wenn man abends in ein Schlafzimmer geht, die Tür schließt und dann ist Ruhe.

Juli 30, 2007

New York, New York

Gespeichert unter: Notizbuch — schriftlich @ 10:07

New York ist eine Stadt, die ich noch nie gesehen habe, in der aber mein neues Projekt seinen Handlungsschauplatz hat. Es gibt nun massenweise Infos im Netz zu dieser, gerade zu dieser Stadt – und doch fehlt etwas ganz Entscheidendes, das Flair. Das findet man nicht in Touristenbänden und Bildatlanten, das muß man selbst erlebt haben.

Um dieses Manko auszugleichen, mache ich New York zu einer fiktiven Stadt. Ich beziehe mich auf das Allgemeingut des Bilds, das Menschen, die noch nie dort gewesen sind, von New York haben. Mein Roman erhebt damit keinen Anspruch auf Authentizität, aber darauf, literarisch zu sein – und das ist ja nicht das schlechteste, was einem Roman passieren kann.

Juli 29, 2007

Minimalismus

Gespeichert unter: Notizbuch — schriftlich @ 5:58

Hemingway war es, der nach der Idee arbeitete, daß eine gute Geschichte sei wie ein Eisberg. Das bedeutet, daß etwa ein Achtel sichtbar ist, der Rest in der Tiefe verborgen und allenfalls erahnbar. Wer diesem Prinzip folgen will, muß auf die eine oder die andere Weise minimalistisch schreiben, und, darüber hinaus, ein gewisses Faible für Kriminalistik haben – unabhängig davon, ob er einen Krimi schreibt oder nicht.

Es geht dann also weg von mit Adjektiven beladenen Sätzen, die vor allem eines erreichen bei einem geduldigen Leser: ein genaue oder zumindest genauere Vermittlung des Bildes, das der Autor hat. An manchen Stellen kann das sinn-enthüllend wirken, an anderen überfrachtend. Und dann muß man sich die Frage stellen: ist es wirklich so bedeutend, daß sich der Leser das gleiche vorstellt wie der Verfasser? In einem cineastischen Sinn eröffnet Detailfetischismus extreme Qualitäten. Leider ist es schwierig, Kino zu schreiben.

Ich glaube aber, daß dieser Spagat zwischen Wort und Bild zu meistern ist. Mein Versuch wäre, nicht einen Film aufzuschreiben, sondern die andere Art des Films zu erfassen, wenn Wort und Bild zwei Seiten derselben Münze sind. Dann kann man auch minimalistisch arbeiten, dem Leser Vorstellungsräume schaffen und trotzdem Bilder erzeugen, die atemlos machen.

Wenn ich also schreibe, stelle ich mir einen Film vor, dem ich mich durch die Hintertür nähere. Bis jetzt funktioniert es erstaunlich gut.

Juli 27, 2007

Kontinuität und Chaos

Gespeichert unter: Schreibtisch — schriftlich @ 7:48

Als ich sechzehn und siebzehn Jahre alt war, habe ich mit der Begeisterung eines nicht planen müssenden Geistes zwei Manuskripte verfaßt, von denen das erste großes Lob, aber auch große Kritik von ein- und derselben Stelle erfahren hat, weswegen ich das zweite mit der gleichen Begeisterung, aber weit größeren Schwierigkeiten begann.

Diese beiden Arbeiten sind die ersten Gehversuche einer literarischen Karriere, die für mich damals – einfach das Größte war, das ich zu haben mir vorstellen konnte. Längere Texte habe ich seither niemals wieder geschrieben, habe mich lange Zeit an Lyrik versucht und bin an Kurzgeschichten gescheitert. Bisweilen war mir meine immer umfangreicher werdende Ideensammlung mehr als genug, aber heute, also genau jetzt, ist das anders.

Daß ich so lange nicht richtig schreiben konnte und es immer noch nicht kann, hat mit einer Krankheit zu tun, die Konzentrationsschwächen beinhaltet, gegen die man aber angehen kann. Im Laufe der Jahre habe ich vielen Menschen geklagt und viele Tips bekommen, wie man denn Schreibblockaden jeder Coleur überwinden könnte, der wichtigste davon ist, habe ich erfahren, Kontinuität.

Regelmäßig schreiben ist gar nicht so einfach in einem Umfeld, in dem das Chaos regiert, und zwar mit einer Kontinuität, die zwar sicherlich auch eine ist – aber eher kontraproduktiv. Sich erst ein passendes Umfeld zu schaffen und dann anzufangen zu arbeiten funktioniert in einem kleineren Rahmen durchaus, aber wenn es darum geht, einen vollständigen Lebens- und Arbeitsrhythmus umzustellen, wird man sich doch immer wieder an einem Schreibtisch wiederfinden, der mit Papieren, Dosen, Büchern, Krimskrams so übersät ist, daß man sich permanent ablenken läßt.

Mein zweites Manuskript war nicht sonderlich originell. Ich habe mich an Wolfgang Hohlbeins damals populäre Struktur seiner phantastischen Romane gehalten, die in zu vielen Werken wieder und wieder verwendet wurde, bis er sich kreativ neu erfand. Anhand dessen aber habe ich eine Geschichte planen gelernt, und genau das möchte ich mit Hilfe dieses Blogs auf die Schriftstellerei als solche übersetzen.

Juli 26, 2007

Die lustige Welt der Vampire

Gespeichert unter: Notizbuch — schriftlich @ 8:20

Seit einigen Tagen spukt mir einer meiner noch gar nicht so alten Charaktere ständig im Kopf herum. Bislang habe ich mich immer gescheut, etwas über ihn schreiben zu wollen, denn er basiert auf einem geschützten Rollenspielsystem, und ich tu mich mit dem Copyright da schwer. Allerdings hat Mr. R lange Stunden damit verbracht mir den ersten, den allerersten Satz einzuflüstern, hat mich gerügt und gelobt, bis ich ihn endlich auf Papier hatte.

Zeitgleich hat ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben angefangen, ein Video über ihn zu machen. Dieses Video ist eine sehr charmante Draufsicht auf die Figur und mitunter ein bißchen humorig und selbst-humorig. Mr. R ist natürlich auch noch ganz anders, aber er ist auch -so-.

Und da ist mir klar geworden, daß, daß. Daß ich seine Geschichte trotzdem schreiben kann, und es tun sollte, es ist eine höchst literarisch-cineastische Geschichte. Als mein jüngstes Projekt erhält es trotzdem den älteren gegenüber den Vorzug, weil es mich gerade so sehr gefangen hat. 

Credits gibts natürlich auch. Von Herzen Dank für das Video an: apocalypsed
Und natürlich auch an Elijah Wood, den ich mir ein bißchen ausgeliehen habe, um mir meinen Protagonisten vorzustellen, ohne beide gefragt zu haben.

Am Anfang…

Gespeichert unter: Flaschenpost — schriftlich @ 8:04

… war das Wort, und das Wort war ziemlich penetrant. Es ging mir bald auf die Nerven, zeterte und nörgelte den ganzen Tag und rebellierte chronisch gegen jeden Versuch, es ihm irgendwie recht zu machen.

Das Wort war: „kompromißlos“. Obwohl es natürlich nur ein Wort war. Es sagte: „Du weißt nicht, was ein Wort wirklich braucht.“, packte beleidigt seine Flaschenpost und zog davon.

Dann saß ich eine ganze Zeit lang wortlos da, wußte nicht, was ich sagen sollte und beschloß heimlich, weil ich mich in das Wort verliebt hatte, es zurück zu gewinnen. Daher dachte ich darüber nach, was ein Wort denn brauchen könnte. Mir fiel dann auf, daß das Wort Recht hatte: ich wußte wirklich nicht, was es braucht. Nun kam mir allein eine Möglichkeit in den Sinn, das Wort ausfindig zu machen, ich wußte ja nicht, wohin es sich verschickt hatte. Ich dachte mir einen Ort aus. Einen besonderen Ort. Einen Ort, der Northerney heißt.

An diesem Ort steht ein kleiner, schneeweißer Leuchtturm. Es ist dort meistens diesig, und das Meer ist grau, und wenn man den Strand entlang kommt, muß man die Zeit draußen lassen. Es steht zwar kein Schild dort wie: Zeiten müssen draußen bleiben, aber Northerney ist da schon ziemlich eigenwillig. Das muß auch so sein. Denn auf Northerney stranden alle Flaschenposten. Alle. Alle, die den Empfänger nie erreichen, den sie eigentlich hätten haben sollen.

Was soll ich sagen? Dies ist eine kleine Geschichte darüber, nicht schreiben zu können. Mein Wort in seiner Flaschenpost habe ich nicht gefunden, allmählich habe ich den Verdacht, daß es sich an mich verschickt hat – und deswegen auf Northerney gar nicht bei mir ankommen kann. Das rührt mich ein bißchen, denn ich bin in das Wort ja verliebt. Vielleicht heißt das Wort auch: „Dilemma“. Ich betrüge mein Wort ein wenig mit anderen Worten, aber ich mein es nicht böse.

Ich will ja lernen, was ein Wort wirklich braucht.

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